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Eschentriebsterben

Stand Oktober 2020

Seit ca. 2007 ist das Eschentriebsterben in Österreich bekannt. Es wird von dem aus Asien eingeschleppten Schlauchpilz, Falsches Weißes Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus), hervorgerufen. Seit einigen Jahren ist auch bekannt, dass sich der Pilz auf die Verankerung der Bäume auswirkt. Es kommt zum Teil (standortabhängig) zu vermehrten Baumumstürzen.

Es gibt zu diesem Thema einige hervorragende Broschüren, z.B.

Schadensverlauf

Hymenoscyphus fraxineus führt zu den, in ihrem pathogenen Verlauf gut beschriebenen, Absterbeerscheinungen in den Baumkronen. Außer der Totholzbildung betrifft Baumkontrolleure das hinsichtlich der Verkehrssicherheit nicht.
Der Prozess, der zum Wurzelabbau führt, ist weniger gut beschrieben. Wissenschaftlich unbestritten ist, dass Hymenoscyphus fraxineus an Rindennekrosen am Stammfuß erkennbar ist. Einig ist sich die Wissenschaft auch, dass Hymenoscyphus fraxineus nicht in der Lage ist Holz abzubauen, sondern nur das Kambium zu parasitieren. Es gibt auch eine Studie aus Deutschland, die Hymenoscyphus fraxineus als Primärerreger in Wurzeln von Baumschulbäumen gefunden haben.

Für uns als Baumkontrolleure gibt das leider zu wenig  her. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Eschen mit vollständig zersetzten Wurzeln auch bei nahezu intakter Krone stürzen können. Wir brauchen für unsere Arbeit aber sichtbare von außen erkennbare Schadsymptome, anhand derer wir prognostizieren können, ob eine Esche gefährlich ist oder nicht. Zusätzlich darf nie übersehen werden, dass es natürlich alle anderen Pathogene an Eschen weiterhin gibt, da das Eschentriebsterben nicht das einzige Problem ist.

Risikostandorte

Einig sind sich alle Fachleute, dass es klare Kriterien gibt, an welchen Standorten Eschen besonders gefährdet sind:

  • Dichtstand der Eschen
  • Laub verbleibt am Boden
  • Feuchter Oberboden, vor allem im Frühling

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass städtische Bäume nicht zu den Risikobäumen gehören, da meist keiner der 3 Risikofaktoren zutrifft. Bäume entlang von Auen und in Wäldern sind deutlich stärker betroffen. Das gilt auch für größere Baumgruppen in Schlossparks, die eventuell zusätzlich schattig und damit feuchter stehen.Die Beurteilung, ob ein Baum an einem Risikostandort steht, oder nicht, ist daher enorm wichtig. An Risikostandorten sind nahezu alle Bäume verloren, auf klassischen städtischen Standorten ist die Problematik bezüglich eines Standversagens noch nicht wirklich angekommen. Ich betone NOCH, da wir keine Prognosen wagen können.

Erkennbare Schadsymptom am Stammfuß

Die gängige Hypothese ist, dass Hymenoscyphus fraxineus das Kambium am Stammfuß parasitiert und damit die „Pforte“ für nachkommende Pathogene, allen voran für Hallimasch, aber auch für Vielgestaltige Holzkeule, öffnet. Diese Pilze führen dann zum weiteren Wurzelabbau.

Ich kann mich dieser nur bedingt anschließen, da:

  • Die bei uns bekannten Hallimascharten, wie auch die Vielgestaltige  Holzkäule sind langsam  arbeitende Holzzersetzer. Der Prozess beginnend bei einer Infektion bis zum Verlust der Standsicherheit dauert viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. In unserem Fall müsste der Prozess binnen 5 Jahren abgelaufen sein, allerdings geht das nicht so schnell.
  • Das Argument der vorgeschädigten, wenig vitalen Bäume greift auch nicht, da auch Bäume mit praktisch intakter Krone versagen.
  • Würde sich die Fäule vom Zentrum zur Peripherie ausbreiten, so müssten zuerst die stammnahen Wurzeln verfaulen, dann die peripheren Wurzeln. Der Prozess läuft aber augenscheinlich aus der Peripherie Richtung Zentrum und von der Wurzelunterseite nach oben.

Den Schluss, den ich daraus ziehe ist, dass die oben vorgestellte Hypothese nicht die tatsächlichen Abläufe oder nur einen Teil der Abläufe darstellt.

In unserer praktischen Arbeit, war es uns möglich, eine systematische Übereinstimmung von sichtbaren Symptomen am Stammfuß und der tatsächlichen Standsicherheit herzustellen. Wir haben dazu zahlreiche gestürzte und noch stehende Bäume in den Donauauen von Tulln begutachtet. Diese Ergebnisse haben wir mit Eschen aus der Weitwörther Au in Salzburg verglichen. Dort hat die Problematik ca. 3 Jahre früher begonnen. Auch weiterhin sind die Prozesse in Tulln gegenüber denen in Salzburg ca. 3 Jahre verzögert.

An den Stammfüßen der Eschen lassen sich drei Gruppen an Schadsymptomen erkennen:

  1. Risssymptome
  2. Wachstumsdefizite    
  3. Rindennekrosen

Es können an einem Baum alle drei Schadsymptome gleichzeitig vorliegen, oder auch nur eines davon. Uns ist keine Esche bekannt, die wegen des Eschentriebsterbens gestürzt ist und nicht zumindest eines der Symptome gezeigt hätte. Das wiederum heißt, dass der Schluss, wenn keines der Symptome vorliegt, keine (vorhersehbare) Gefahr des Baumsturzes besteht, zulässig ist.

  1. Risssymptome:
    Risssymptome zeigen idR. keine Risse aus Überlast im Holzkörper an. Manchmal sind Holzkörperschäden beteiligt, die meist von einem Pilzbefall herrühren. Öfter sind es, wie im Fall von Eschentriebsterben, nur vertikale Längssymptome an der Rinde. Diese entstehen durch das Parasitieren des Kambiums in vertikalen Linien. Neben dem angegriffenen Kambium bilden sich rechts und links Wundholzwülste, die die Borke etwas auseinander drücken. Dadurch entstehen diese Risssymptome. Manchmal schimmert das Braun des Wundholz-Bastes durch, manchmal dunkel vom abgestorbenen Splintholz.

  2. Wachstumsdefizite:
    Wachstumsdefizite nach Reinartz und Schlag beschreiben Bereiche am Stammholz, die gegenüber dem restlichen Holz im Wachstum etwas zurückgeblieben sind. Daher sind diese Bereiche gegenüber der Umgebung eingefallen, etwas konkav. Dieser Verlust an Zuwachs ist auf eine reduzierte Kambialtätigkeit zurückzuführen. Im Falle von Eschentriebsterben greift der Pilz das Kambium direkt an und kann es zum Absterben bringen.

  3. Rindennekrosen:
    Rindennekrosen sind immer dreieckig, manchmal höher als breit, manchmal umgekehrt. Der Bereich ist manchmal frei von Rinde, manchmal haftet die Rinde noch an, vor allem, wenn der betroffene Bereich konkav eingezogen ist (Wachstumsdefizit). Ist die Rinde abgefallen, so ist das Splintholz grau und verwittert. Wenn die Rinde anhaftet, ist das Splintholz oft braun. Bei diesen Rindenschäden ist es wichtig darauf zu achten, wie alt das Wundholz ist. Eschentriebsterben mit diesen Stammfußsymptomen gibt es in Ost-Österreich erst seit ca. 2016/2017. Ist das Wundholz älter als 4 Jahre, so kann dieser Schaden nicht in Zusammenhang mit Eschentriebsterben stehen.


Laboranalysen zeigen, dass bei oben beschriebenen Symptomen Hymenoscyphus fraxineus zu finden ist. Die Beteiligung dieses Pilzes ist also definitiv. Ob er die Abbautätigkeit am Stammfuß beginnt oder aus den Wurzeln aufgestiegen ist, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Wir wissen auch nicht, wie der genaue Zusammenhang zwischen Wurzelabbau und dem Befall ist, jedoch wissen wir aus Beobachtungen, dass Eschen mit diesen Symptomen sturzgefährdet sind.

Sturzgefahr

Wir haben noch keine Esche gesehen, die als Folge von Eschentriebsterben ohne eines dieser Symptome gestürzt ist. Sehen wir also keines dieser Symptome, so können wir davon ausgehen, dass der Baum standsicher ist. Sehen wir wenige Risssymptome an einer Stammseite, so kann noch bis zur nächsten Kontrolle in einem Jahr zugewartet werden. Sind Risssymptome über den gesamten Stammumfang zu sehen, besteht dringender Handlungsbedarf.

Ähnlich verhält es sich mit den Wachstumsdefiziten. Eines ist noch tolerierbar, mehrere, über den Umfang verteilt, allerdings nicht.

Bei Rindennekrosen ist noch mehr Vorsicht geboten. Eine deutliche Nekrose, die Eschentriebsterben zuzurechnen ist, reicht idR aus, um eine Maßnahme zu setzen. Dabei ist darauf zu achten, ob es Hinweise dazu gibt, dass die Nekrose vom Hymenoscyphus fraxineus herrührt. Wir erkennen ja an der Nekrose alleine nicht, was die Ursache des Schadens war. Ist es z.B.: die Folge eines mechanischen Schadens, ist er für die Standsicherheit meist bedeutungslos. Ist das Wundholz am Rand der Nekrose älter als 4 bis 5 Jahre, kann der Schaden in Ostösterreich nicht vom Eschentriebsterben herrühren.

Schlussfolgerung

Eschentriebsterben ist ernst zunehmen, Hymenoscyphus fraxineus ist für Baumstürze verantwortlich. Ob mittel- oder unmittelbar wissen wir aktuell noch nicht, was aber für Baumkontrolleure nicht so wichtig ist. Es gibt Schadsymptome anhand derer wir die Sturzgefahr erkennen und somit vorhersehen können. Daher müssen wir diesen Symptomen großes Augenmerk schenken.

Der Zusammenhang zwischen Baumstürzen und der Vitalität der Baumkrone scheint gering zu sein. Uns sind sowohl Eschen bekannt, die mit fast symptomfreier Krone gestürzt sind, als auch Eschen, die stehend abgestorben sind. Die Beurteilung der Standsicherheit muss daher nach den Symptomen am Stammfuß erfolgen und nicht nach der Krone.

Das oben Beschriebene ist das Resultat intensiver Beobachtungen der Baumkontrolleur*innen unseres Sachverständigenbüros. Wir haben uns ausgiebig mit dem Thema befasst, haben jedoch kein Budget um diese Beobachtungen wissenschaftlich aufzuarbeiten, zu sortieren, zu beschreiben und zu publizieren.



Eschentriebsterben

Stand Mai 2017

Seit ca. 10 Jahren ist das Eschentriebsterben in Österreich bekannt. Es wird vom aus Asien eingeschleppten Schlauchpilz, Falsches Weißes Stengelbecherchen, hervorgerufen.

Seit einigen Jahren ist auch bekannt, dass sich der Pilz auf die Verankerung der Bäume auswirkt. Es kommt zu Baumstürzen und es ist zu erwarten, dass diese Stürze häufiger werden.

Grundsätzlich gibt es zu diesem Thema einige hervorragende Broschüren, zB.: https://www.salzburg.gv.at/agrarwald_/Documents/Eschentriebsterben.pdf http://www.esche-in-not.at/images/pdf/Kirisits_etal_201601.pdf 

Ich will jetzt etwas genauer auf die Vorhersehbarkeit der Baumstürze eingehen. Als Baumkontrollore müssen wir anhand von Symptomen diese Baumstürze vorhersagen. Daher ist es essenziell zu wissen, welche Symptome bevorstehende Versagen anzeigen. Wenn wir diese Schadsymptome kennen, müssen wir überlegen, ob von der üblichen Vorgehensweise bei der Baumkontrolle, Suchen und Bewerten von Schadsymptomen, abgegangen werden muss. 


Eschentriebsterben und Verkehrssicherheit  

Die Schäden des Eschentriebsterbens in den Baumkronen sind in der Fachliteratur (siehe oben) gut beschrieben und einfach erkennbar.

Die Schäden an den Wurzeln sind naturgemäß nicht sichtbar. An gestürzten Bäumen ist zu erkennen, dass die Wurzeln zT vollständig zersetzt sind. Was aber ist für den Baumkontrolleur erkennbar, um auf das drohende Versagen reagieren zu können?

Liegt der Baum, so ist immer abgestorbene Rinde zu erkennen. Darunter ist das Splintholz braun verfärbt, das Kambium ist tot. Oft sind Wachstumsdefizite, die durch Wundholz begrenzt sind, zu erkennen. Oft ist auch ein stärkerer Wundholzwulst zu sehen.

Ebenfalls treten rindenfreie Wurzelanläufe auf. Diese Wurzelanläufe zeigen wenige cm über dem Bodenniveau einen horizontal verlaufenden Wundholzwulst, darüber ist intakte Rinde, darunter nacktes (nur oberflächlich?) abgestorbenes Splintholz. (siehe beiliegende Bilder)

Praktisch alle versagten Bäume hatten eine massiv vom Eschentriebsterben geschädigte Krone mit hohem Totholzanteil und typischen Reiteraten. 

 

These

Von mir und Mitarbeitern wurden 3 versagte Eschen und 6 stehende (von einer nur der Baumstumpf, da gerodet) genauer untersucht. 

Erste Erkenntnis dabei ist, dass nur Eschen mit straken Absterbeerscheinungen in der Krone ein erhöhtes Risiko für Standversagen zeigen.

Dabei wurden folgende Symptome erkannt, die wir in Zusammenhang mit dem Standversagen und Eschentriebsterben gebracht haben:

  1. abgestorbene Rinde
  2. Wachstumsdefizite
  3. Wundholzwülste (begrenzen meist die Wachstumsdefizite)
  4. längliche Risssymptome mit dunkler Verfärbung zwischen den Borkeplatten
  5. Wurzeln ohne Rinde mit horizontal verlaufenden Wundholzwülsten


Symptomgruppe 1 bis 3 (abgestorbene Rinde, Wachstumsdefizite, Wundholzwülste)

Offensichtlich leitet das Absterben der Rinde (= Absterben des Kambiums?) den sichtbaren Prozess ein. Das Splintholz ist braun bis schwarz verfärbt. 

Kann der Baum den Pilz einigermaßen abwehren oder zumindest bremsen, so bilden sich über die Jahre Wachstumsdefizite, die von Wundholzwülsten begrenzt werden. Diese Symptome, Wachstumsdefizite und Wundholzwülste, sind gut zu sehen, müssen korrekt interpretiert werden und erlauben ev. auch eine gewisse Zukunftsprognose.

Ob tatsächlich die Rinde abgestorben ist, lässt sich manchmal nicht leicht feststellen. Selbst Klopftests haben mitunter keinen Klangunterschied erbracht. Es war auch immer wieder wirklich schwer die Rinde, selbst mit einem Maurerhammer, an noch stehenden Bäumen abzulösen. Dadurch, dass die meisten betroffenen Rindenpartien konkav eingezogen waren (die Problemstellen sind halt meist zwischen den Wurzelanläufen oder in Wachstumsdefiziten) hält die Rinde dort auch als abgestorbene noch Jahre. Es fehlen zwar die Zuwachstreifen, auf die jeder ausgebildete Baumkontrolleur schauen sollte völlig, nur sind auch bei vitalen Bäumen Zuwachstreifen zwischen den Wurzelanläufen nicht immer sichtbar. (Bilder Baum 1, 2, 5 und 6).

In den Bildern werden (siehe Rechts):

Abgestorbene Rinde mit blauen Pfeilen markiert

Wachstumdefizite mit roten Pfeilen markiert

Wundholzwülste mit schwarzen Pfeilen markiert

Symptom 4 (längliche Risssymptome mit dunkler Verfärbung zwischen den Borkeplatten)

Bei manchen Bäumen sind auch längliche Risssymptome zu sehen. Offensichtlich stirbt dort das Kambium nicht flächig sondern in kleineren Bereichen ab, die von Wundholz begrenzt werden. Die Bildung von Wundholz unter der teilweise abgestorbenen Rinde führt zur uneinheitlichen Oberfläche und zu den Risssymptomen. (Bilder Baum 3, 6, 7, 8 und 9).

In den Bildern werden:

Risssymptome Rinde mit orangen Pfeilen markiert

Symptom 5 (Wurzeln ohne Rinde mit horizontal verlaufenden Wundholzwülsten)

Wurzeln ohne Rinde mit horizontal verlaufenden Wundholzwülsten waren bei 2 versagten Bäumen (Baum 3 und 5) zu sehen. Baum 3 dürfte schon länger gelegen sein. wie sehr diese Symptome jetzt wirklich repräsentativ sind kann ich nicht sagen, jedenfalls habe ich bei Baum 4 in einem Kindergarten wegen dieser Symptome eine Fällung angeordnet. (Bilder Baum 3, 4 und 5).

In den Bildern werden:

Wurzeln ohne Rinde mit horizontalem Wundholz mit grünen Pfeilen markiert

 

Folgerungen

In meinem Betrieb bin ich in Zusammenarbeit mit meinen Baumkontrolloren zu folgender Vorgehensweise gekommen:

Bei Eschen auf feuchtem Boden, ev. in dichterem Bestand, sollte man einen Hammer (am besten ein Maurerhammer mit Flunke) mitnehmen. Normalerweise wird ein Werkzeug von der Ö-Norm L 1122 nicht vorgeschrieben. Hier erscheint es uns aber sinnvoll. 

Unserer Erfahrung nach sind von der Problematik des Stand- und Bruchrisikos infolge Eschentriebsterbens nur Eschen betroffen, die in der Krone massive Symptome des Eschentriebsterbens zeigen. Werden diese starken Schäden in der Krone erkannt, ist es notwendig dem Wurzelanlauf besonderes Augenmerk zu schenken. Sind Symptome, wie oben 1 bis 5 erkennbar, so müssen wir Maßnahmen in Erwägung ziehen. 

Grundsätzlich konnten wir feststellen, dass bei den Eschen das drohende Versagen an erkennbaren Symptomen angezeigt wird. Es ist erforderlich sich diese Symptome zu vergegenwärtigen und gezielt danach zu suchen.

Es ist aber diskussionslos auch so, dass bei einzelnen Bäumen die Symptome zwar vorhanden, aber nicht leicht erkennbar sind.

Das stellt uns vor ernste Probleme.

Nun ist es so, dass auch die Judikatur einräumt, dass nicht alle Versagen vorhersehbar sind. Baumkontrolleure können nur feststellen, was wirklich im Rahmen der in der Ö-Norm L 1122 beschriebenen Verkehrssicherheitskontrolle erkennbar ist. Nur bei begründetem Verdacht (und dieser Verdacht muss sich aus dem sichtbaren Zustand des Baumes ergeben und nicht ein allgemeiner Verdacht sein) sind wir verpflichtet eingehend zu kontrollieren.

Wir kennen die Schadsymptome, die eine Stand- und Bruchsicherheitsgefährdung anzeigen. Wir wissen, dass diese Symptome manchmal schwer erkennbar sind.  

Die entscheidende Frage ist nun: Wie viele Bäume drohen zu versagen, ohne dass wir Symptome im Rahmen der Verkehrssicherheitskontrolle erkennen können. Ist die Zahl ausreichend gering, so fallen diese Bäume unter „unvorhersehbare Ereignisse“, wie zB unvorhersehbare Grünastbrüche. „Unvorhersehbar“ bedeutet eben, dass es nicht zu sehen ist. Ist die Zahl der „unvorhersehbaren“ Versagen zu hoch, müssen wir Reagieren – ohne dass ich jetzt weiß wie. Denn die Rodung aller Eschenbestände kann nicht die Antwort sein. Das wäre eine weit überzogene Maßnahme. Leider ist so eine Empfehlung aber schon von zuständiger Stelle ausgesprochen worden (http://www.langenzersdorf.gv.at/system/web/GetDocument.ashx?fileid=1128639). Es ist also erforderlich, dass die Scientific Community reagiert und zu einer übereinstimmenden Lösung kommt.

Ich gehe davon aus, dass vorerst rund um die Eschen keine Veränderung der Baumkontrolle erforderlich ist.

Die überwiegende Anzahl der Versagen zeigen sich durch Symptome, teilweise Jahre im Voraus an. Wir kennen die Symptome, wir müssen sie lesen.

Bei einzelnen sehr schwer erkennbaren Symptomen bekommen wir eventuell Schwierigkeiten. Sollte die Zahl dieser Fälle ausreichend klein bleiben, fallen sie unter unvorhersehbare Ereignisse. 

Es ist mir sehr wichtig, klar auseinander zu halten, ob bei einem Baumversagen Symptome erkennbar waren oder nicht. Es muss von kompetenter Seite festgestellt werden, ob Schadsymptome sichtbar waren. Es darf nicht passieren, dass, wenn Symptome übersehen wurden, versucht wird, Versagensereignisse mit eigentlich sichtbaren Symptomen als unvorhersehbar einzustufen. Dann würde unsere Branche große Probleme bekommen.


Ausblick

Jetzt ist es erforderlich, dass die Scientific Community versagte Eschen danach untersucht, welche Schadsymptome sichtbar waren und diese mit Fotos dokumentiert. Diese Ergebnisse müssen danach evaluiert werden. Als Ergebnis dieser Evaluierung könnte ein neuer Zugang zum Standversagen bei Eschen mit Eschenstriebsterben erforderlich werden, oder es kann alles bleiben, wie es ist.

Solange sich keine andere Organisation in Österreich dieses Themas annimmt, bitte ich Bilder mit solchen Versagen + Daten der Bäume (Versagen wann, wo, wurden Kontrollen durchgeführt, …) an mich zu senden. Ich werde diese Fälle auf meiner Page veröffentlichen (im Bedarfsfall anonymisiert) und zur öffentlichen Diskussion stellen.

Die meisten Versagen werden sich wohl in Waldbeständen oder sonstigen Flächen, die keiner Verkehrssicherheitskontrolle unterliegen, ereignet haben, sie sind aber für diese Untersuchung genauso relevant, wie Versagen in Kommunen.

 

Verfasst von Rainer Prosenz